Expedition in Hamburgs neue Konzerthalle

Happy Birthday, Elphi

Welcome Elphi Titel

Herzlichen Glückwunsch zum ersten Geburtstag! Einmal hoch, hoch hinaus: Gemeinsam mit Instagrammern aus aller Welt hat unsere Autorin Anika Meier als eine der ersten den zackigen Gipfel der fertigen Elbphilharmonie erklommen. Die schönsten Eindrücke haben wir hier für euch gesammelt.

Autor

Anika Meier

Anika schreibt über Kunst und soziale Medien und für alle, die Texte über irgendwas mit Büchern, Fotografie, Kunst und Instagram brauchen.

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„An den Landungsbrücken raus, dieses Bild verdient Applaus“, sang die Hamburger Band Kettcar einst und mit ihr tausende Menschen – grölend auf Konzerten, tanzend in Clubs oder verträumt in ihren Schlafzimmern. An den Landungsbrücken raus, mit dem Wind im Haar die frische Seeluft einatmen und den Blick schweifen lassen über den Hafen, die Kräne, das Wasser, während die Möwen in der Luft kreischend ihre Runden drehen.

Dieses Bild verdient unbedingt Applaus. Im Herbst 2002 erschien das erste Album von Kettcar, die Idee und eine erste Skizze eines Konzerthaus direkt an der Elbe gab es damals schon fast ein ganzes Jahr. Nur zu sehen war außer dem alten Kaispeicher A, in dem früher Kakao und Kaffee gelagert wurden, noch nichts. Als Sockel sollte er dienen für ein kulturell-architektonisches Highlight, entworfen vom Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron. Ein Fundament für das neue Wahrzeichen der Stadt Hamburg, für die Konzerthalle, die zu den Top 10 der Welt gehören soll. Seitdem ist viel passiert. Jetzt ist sie fertig, die Elphi, wie sie liebevoll von vielen Hamburgern genannt wird.

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Die Plaza ist die Nahtstelle zwischen dem traditionsreichen Hafenspeicher und dem gläsernen Neubau der Elbphilharmonie. Von der öffentlichen Aussichtsplattform können Besucher über den Hafen und die Landungsbrücken schauen. Foto: Marianne Hope / @mariannehope

Das Bild ist schon lange ein anderes, wenn man an den Landungsbrücken steht oder vom Aussichtspunkt oben am Stintfang auf den Hafen schaut. An der Westspitze der Hafencity, direkt am Ufer der Elbe, steht eine überdimensionale Welle aus Glas. Mit dem Licht verändert sie ihre Farbe; mal strahlt sie so golden wie die Sonne, die auf sie scheint, mal schimmert sie pink, wie der Abendhimmel um sie herum.

Dem alten Kaispeicher aus Backstein wurde eine funkelnde Krone aus Glas aufgesetzt. Wie ein Flash sei die Idee dieser expressiven Dachsilhouette da gewesen, sagte der Architekt Pierre de Meuron im Gespräch vor Publikum im Spiegel-Haus. Es sei ein demokratisches Gebäude geworden, ein multifunktionales Gebäude, eine Stadt in sich, nicht ein klassisches Konzerthaus, erzählte Jacques Herzog bei der feierlichen Eröffnung der Plaza Anfang November.

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Der „Große Saal“ der Elbphilharmonie. 2.100 Zuschauer haben hier Platz. Im Januar 2017 erklingen hier die ersten Töne. Foto: Philipp Heer / @lerichti

Deshalb ist es ein Haus ohne Portal – erst wenn die Besucher auf der Plaza in 37 Metern Höhe stehen, sind sie im Eingangsbereich der Konzertsäle angelangt. Und für viele der Besucher ist auch hier schon das Ziel erreicht – man muss nicht unbedingt in den Konzertsaal wollen, wenn man der Elbphilharmonie einen Besuch abstattet. Denn die Plaza mit ihrem Boden aus 188.000 roten Backsteinen ist vor allem eins: eine 360-Grad Aussichtsplattform. Die Plaza ist für alle da. Mit ihrem Blick über den Hafen hinüber zu den Landungsbrücken, über die moderne Hafencity, die immer weiter wächst und die Stadt näher ans Wasser bringt, und über die historische Speicherstadt, die seit 2015 Unesco Weltkulturerbe ist.

Ab Januar wird endlich auch die Musik das Haus erfüllen. Und was macht man, wenn man einen einzigartigen Ausblick und eine architektonische Ikone zu bieten hat? Man überlässt es den Fotografen, beides einzufangen.

#elphimeetshamburgahoi

Im Sommer, als die Elphi noch Baustelle war, ging es mit schweren Gummistiefeln an den Füßen, Bauhelmen auf dem Kopf sowie Smartphones und Kameras in den Händen erstmals durch das Parkhaus aus Beton, das sich wie eine Spindel durch den Kaispeicher schraubt, hinauf auf die Plaza. Mit einer kleinen Gruppe von Instagrammern, die vor Freude auf der Plaza sprangen (#jumpstagram) und alles weginstagrammten, was vor ihnen noch nicht sehr viele Menschen gesehen haben: Den Windfang in Form von gebogenen Glasvorhängen, die Außenplaza und die Freitreppen, die zum Großen und Kleinen Saal führen.

„Als Fotografin ist es fast unmöglich, nicht von der wagemutigen Architektur des Gebäudes inspiriert zu werden, von seinen starken Linien und beeindruckenden Formen."

Lauren Randolph / @laurenlemon

Eine zweite, etwas größere Gruppe Instagrammer aus aller Welt arbeitete sich Anfang November mit Kameras und Smartphones vom Boden bis hinauf auf das geschwungene Dach mit den 6.000 weißen Pailletten. Eine von ihnen ist die Architektin Ana Barros aus Wien. Schon während ihres Studiums der Architektur sei sie von Herzog & de Meuron beeinflusst gewesen, sagt Barros, 2012 habe sie ihre Ausstellung über das Projekt Elbphilharmonie auf der Biennale in Venedig gesehen. Seitdem war sie fasziniert von dem Bau: „Herzog & de Meuron haben meine Erwartungen übertroffen – diese Dimensionen sind überwältigend. Sie ist so massiv und zugleich so elegant, die Liebe zum Details ist beeindruckend.“

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8359 weiße Pailletten reflektieren auf dem Dach der Elbphilharmonie gen Himmel. Foto: Konrad Langer / @konaction

Für die Architekten sind die verschiedenen Elemente des Gebäudes Sequenzen, die aufeinander folgen. Die erste Sequenz ist die 82 Meter lange Bogenrolltreppe, die längste Westeuropas. Sie holt die Besucher auf dem Boden der Tatsachen ab und bringt sie zunächst hinauf in den sechsten Stock vor das Panoramafenster im Kaispeicher und dann weiter in den achten Stock auf die Plaza. Die Fahrt mit der sogenannten Tube ist ein langsames Gleiten in andere Sphären – hinauf zu den Konzertsälen und zur Aussicht über die Stadt und den Hafen.

„Es scheint als sei jede Perspektive, jede Ecke eine neue Überraschung. Und dann all die Details - meine Güte."

Dirk Bakker / @macenzo

Wie durch einen engen Gehörgang schlängelt sich anschließend der Weg durch das Treppenhaus hinauf zum Großen Konzertsaal. Herzog & de Meuron wollten in dem 25 Meter hohen Klangraum ein Erlebnis wie in einem Fußballstadion schaffen, es ist ein Saal ohne Hierarchie geworden. Jaques Herzog beschrieb den Klangraum als „ein Zelt mit einem Mushroom drin“. Gemeint ist das pilzförmige Gebilde, das wie ein Duschkopf von der Decke herabhängt und verhindert, dass die Musik in der Höhe des Raumes verschwindet. Der Akustiker Yasuhisa Toyota, dessen Aufgabe es war im Saal für die perfekte Akustik zu sorgen, sagt, dass es darin keinen besten Platz gibt. Es gibt 2091 sehr gute Plätze.

Und nachdem die 20 Instagrammer das Treppenhaus mit seinen vielen scharfen Kanten, spitzen Ecken und immer wieder neuen Sichtachsen erklommen hatten, bot sich Ihnen zum Abschluss noch ein seltener Blick vom Gipfel des Berges. Denn so sieht es aus, das Dach der Elbphilharmonie: Wie ein steiles Gebirge. Schneebedeckt war es am Tag unseres Besuchs. Dieser Anblick verdient Applaus.

Vielen Dank für die Bilder

Ana Barros (Österreich): @anasbarros

Lauren Randolph (USA): @laurenlemon

Nei Cruz (USA): @nei.cruz

Tekla Severin (Schweden): @teklan

Cim Ek (Schweden): @cimek

Carl Johan Johansson (Schweden): @locarl

Dirk Bakker (Niederlande): @macenzo

Phil Yisrael (Niederlande): @pdy

Marianne Hope (Niederlande): @mariannehope

Timothy Hatton (Großbritannien): @the.hat

Tobi Shonibare (Großbritannien): @tobishinobi

Hiroaki Fukuda (Japan): @hirozzzz

Yuko Kawauchi (Japan): @yukomouton

Lu Yenong (China): @dizhulu

Philipp Heer (Schweiz): @lerichti

Michael Schulz (Deutschland): @berlinstagram

Konrad Langer (Deutschland): @konaction

Thomas Kakareko (Deutschland): @thomas_k

Mareike Bruns (Deutschland): @bornreadybetty

Sebastian Weiss (Deutschland): @le_blanc

Titelfoto: Timothy Hatton

Daten und Details sind dem Buch „Elbphilharmonie“ von Joachim Mischke und Michael Zapf (Edel 2016) entnommen.

Besuche die Elbphilharmonie online

www.elbphilharmonie.de
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