Was der New Yorker über Hamburg denkt

Tattoo-Künstler Kevin King

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Was hat ein angesagter Tätowierer aus New York mit Bruce Willis oder Sandra Bullock gemeinsam? Genau wie die Hollywood-Stars wurde auch Kevin King in Deutschland geboren. Die ersten drei Jahre seines Lebens verbrachte er in einem kleinen Dorf nahe Bamberg, bevor seine Familie nach Amerika zog.

Autor

Anne Kleinfeld

Anne mag Sachen mit Witz, Musik und Liebe und ist von menschlichen Eigenarten fasziniert. Am besten schreibt sie spät abends mit einer sonderbaren Katze auf dem Schoß.

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Heute ist Kevin erwachsen und arbeitet bei Bang Bang NYC, einem der berühmtesten Tattoo-Studios der Welt. Mehr als dreißigtausend Instagram-Follower rund um den Globus lieben die Präzision, mit der er seine minimalistischen schwarzen Motive unter die Haut bringt. Zum Glück konnte Kevin sich ein paar Tage Auszeit von der surrenden Nadel nehmen, um Hamburg einen Besuch abzustatten. Wir haben ihn am Jungfernstieg auf einen Schnack getroffen – und neben der New Yorker Sicht auf Hamburgs Schokoladenseiten auch neue Tattoo-Ideen und Anti-Kater-Tipps mitgenommen.

Willkommen in Hamburg, Kevin! Bist du beruflich oder privat hier?

Kevin: Ich wollte schon ewig mal nach Hamburg kommen und bin echt froh, dass es jetzt endlich geklappt hat. Also ja, ich bin ganz privat hier und wohne für fünf Tage bei einem Freund. Letzte Woche war ich in Berlin, von Hamburg aus geht es noch nach Kopenhagen und dann auch wieder zurück in die Staaten. Das ist mein erster richtiger Deutschland-Trip und bisher hab ich alles sehr genossen.

Was hast du den bisher in Hamburg unternommen und gesehen?

Kevin: Oh, eine Menge. Wir haben eine Hafenrundfahrt gemacht, sind durch den Alten Elbtunnel gelaufen und waren abends auf eine Runde Kicker und ein paar Drinks auf der Reeperbahn. Besonders gut hat mir das Schanzenviertel gefallen. Es gibt dort eine Menge nette Bars und die Menschen wirken super entspannt. Ansonsten haben wir diverse Restaurants besucht und gefühlt durchgehend gegessen. Im Restaurant Hatari hab ich zum ersten Mal in meinem Leben Spätzle probiert, richtig lecker. Einmal hatte ich auch ein Fischgericht, vermutlich das Hamburg-typischste, was ich gegessen habe. Heute musste ich meine Katersymptome mit einer vietnamesischen Suppe bekämpfen – hat gut geholfen.

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Kickern in Rosi's Bar auf St. Pauli. Den Kater bekämpft Kevin mit vietnamesischer Suppe.

Verglichen mit New York: Was findest du an Hamburg besonders bemerkenswert?

Kevin: Ich liebe Hamburgs Architektur mit ihrem Mix aus alten und neuen Elementen. Man sieht das eigentlich überall – teilweise sogar innerhalb einzelner Gebäude wie beispielsweise in der Elbphilharmonie. Ich hab sie während der Hafentour vom Boot aus gesehen und wollte hinterher eigentlich noch reingehen, aber leider kam ich ein bisschen zu spät und sie wollten gerade schließen. Hamburg ist außerdem sauberer als New York und insgesamt einfach zentraler. Es gibt zwar viele verschiedene Viertel, aber alles liegt sehr dicht beieinander. Dann ist da noch eine deutsche Sache, an die ich mich generell nicht gewöhnen kann: An öffentlichen Toiletten stehen häufig die Buchstaben D und H. Je später der Abend, desto weniger kann ich mich irgendwie daran erinnern, was sie bedeuten.

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Kevin liebt Hamburgs Mix aus alten und neuen Elementen - wie zum Beispiel bei der Elphi.

Kennst du Tattoo-Künstler aus Hamburg oder folgst sogar selbst jemandem auf Instagram?

Kevin: Ja, auf jeden Fall! Ich liebe Vaders Dye, ein großartiges Studio in der Innenstadt. Die Inhaberin Melina Wendlandt kommt jetzt witzigerweise auch für ein paar Tage nach New York. Nachdem ich sie also hier schon getroffen habe, sehen wir uns dort, wenn ich von meinem Trip zurück bin. Aber da spielt nicht nur das Persönliche eine Rolle, ich mag die Arbeiten aller Künstler bei Vaders Dye. Sie sind auf minimalistische und sehr saubere schwarze Designs spezialisiert, also stilistisch genau mein Ding.

Anker und Segelboot sind typische Motive für Hamburg-Tattoos. Wenn du dein persönliches Hamburg-Erlebnis spontan in ein Design übertragen müsstest, wie würde das aussehen?

Kevin: Oha, schwere Frage. Vielleicht so etwas wie die Fontäne dort drüben auf der Binnenalster. Aber statt Wasser würde Bier raussprudeln. Gezeichnet wäre es sehr sauber und schön – genau wie Hamburg.

Klingt super. Kevin, vielen Dank für das Gespräch und ahoi!

Fotos: Anne Kleinfeld, Dominik Böcker, Kevin King

Auf Instagram findet ihr Kevin unter kevinking.nyc und blvckwork

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