Hamburg bewirbt sich um die Europride 2020

Olivia Jones: „Hamburg ist bunt, tolerant und weltoffen“

Olivia Jones Titel

Gegen Olivia Jones wirkt selbst der exotischste Papagei ziemlich blass. Als schillernde Gallionsfigur Hamburgs führt die zwei Meter große Dragqueen auf St. Pauli nicht nur mehrere Etablissements, sondern außerdem jede Woche etliche neugierige Besucher über den sagenumwobenen Kiez. Und auch wenn die Reeperbahn für Olivia seit Jahrzehnten genauso Zuhause ist wie das deutsche Showgeschäft, verfolgt sie nebenher konsequent eine gesellschaftspolitische Mission: die Gleichberechtigung der LGBT-Gemeinschaft in Hamburg und überall.

Autor

Anne Kleinfeld

Anne mag Sachen mit Witz, Musik und Liebe und ist von menschlichen Eigenarten fasziniert. Am besten schreibt sie spät abends mit einer sonderbaren Katze auf dem Schoß.

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Fotos: Roeler

Olivia Jones ist stolz auf ihr buntes Hamburg, aber übt auch Kritik, wo sie nötig ist. Wir haben Deutschlands populärste Dragqueen in ihrem Show Club auf der Vergnügungsmeile besucht und über schwulen Protest, Regenbogen und Hamburg als potentiellen Austragungsort der Europride gesprochen. Das größte internationale Fest der LGBT-Szene wird seit 1992 jedes Jahr in einer anderen europäischen Großstadt gefeiert – für 2020 hat die Hansestadt ihre Bewerbung ins Rennen geschickt.

Olivia, die Elbphilharmonie trägt Regenbogen, von vielen Balkonen der Hansestadt hängen zum CSD bunte Fahnen aus den Fenstern – ist Hamburg bunt?

Hamburg ist bunt und macht seinem Image als Tor zur Welt wirklich alle Ehre. Und wir arbeiten täglich daran, dass es auch so bleibt. Denn natürlich gibt es auch in unserer Stadt immer noch Diskriminierung, Ausgrenzung und ewig Gestrige, die die Zeit gerne wieder zurückdrehen würden. Aber das lassen wir uns natürlich nicht bieten. (lacht)

Die Reeperbahn ist eine sündige Meile. Welche Geschichte hat die LGBT-Szene in Hamburg?

Bei uns auf St. Pauli hat sich schon sehr früh eine Szene entwickelt, die wichtige Aktivisten und Gali-onsfiguren hervorgebracht hat. Das ist übrigens auch ein Thema unserer Kieztouren. Schwuler Pro-test ist traditionell das, was wir auf St. Pauli bis heute besonders gut können: bunt, schrill, anders. Es waren allen voran Dragqueens, die 1969 in der New Yorker Christopher Street öffentlichkeitswirksam gegen Diskriminierung auf die Barrikaden gegangen sind. Die für uns den Kopf hingehalten, Prügel bezogen und dann hoch erhobenen Hauptes in Handschellen für die Fotografen posiert haben. Das waren Bilder, die um die Welt gegangen sind. Das war so öffentlichkeitswirksam, dass daraus eine weltweite Institution im Kampf um Gleichberechtigung geworden ist: der Christopher Street Day mit seinen bunten Paraden. Das wird heute viel zu oft vergessen.

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An den Wochenenden führen Olivia und ihre bunte Crew Touristen und Einheimische über Hamburgs sündige Meile.

Du bist in der Szene eine feste Größe. Was wünscht du dir persönlich für die Hamburger Regenbogen-Gemeinschaft?

Ich wünsche mir für unsere Hamburger Regenbogen-Gemeinschaft, dass auch wir uns nicht von geistigen Brandstiftern spalten lassen, deren Geschäft es ist, Minderheiten gegeneinander aus-zuspielen. Wir brauchen mehr Feuerwehrleute. Und da sehe ich auch die Szene besonders gefordert. Wir müssen zusammenhalten und aufstehen. Nicht nur für die eigene Minderheit.

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Olivias Show Club in der Großen Freiheit bietet Besuchern einen Mix aus Travestie-Programm und Comedy.

Welche To-dos empfiehlst du Hamburg-Besuchern, die in die Szene eintauchen möchten?

Ich empfehle das schwule Epizentrum Lange Reihe im Stadtteil St. Georg mit seinen Bars und Cafés, aber auch St. Pauli mit dem Piccadilly, der ältesten Schwulenbar von Hamburg. Dazu die Wunderbar und natürlich mein buntes Bermuda-Dreieck in der Großen Freiheit, allen voran die Olivia Jones Bar und Olivias Show Club.

Warum ist Hamburg der perfekte Austragungsort für die Europride 2020?

Hamburg ist der perfekte Austragungsort, weil unsere Stadt bunt, tolerant und weltoffen ist und nicht nur eine historische Bedeutung für die Schwulenbewegung hat, sondern auch eine bis heute aktive Szene, auf die wir sehr stolz sein können. Das würde ich der Welt mit dem Europride 2020 in Hamburg gerne näher bringen. Als eine Art leuchtendes Beispiel in leider gerade viel zu finsteren Zeiten.

Danke, Olivia – wir drücken die Daumen für 2020!

Outro-Foto: Christian Spahrbier

Mehr Infos zu Olivia findest du hier
www.olivia-jones.de

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