Hoch im Hafenkran

Hamburg in 360-Grad-Ansicht

360 Grad Hafen

Mit dem Heli über den Hafen fliegen, auf dem Michel die Nacht zum Tag machen oder auf einen Hafenkran klettern? Unsere Autorin Andra Wöllert hat's getan – zumindest virtuell. Auf rundum.hamburg könnt ihr ihren Spuren folgen – oder ganz neue Routen entdecken.

Autor

Andra Wöllert

Andra Wöllert schreibt, spricht und tanzt am liebsten über Subkultur, Lifestyle, Musik und Soziales – vor allem in Hamburg.

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Dass ich hier einmal meinen Blick schweifen lassen könnte, hätte ich im Traum nicht gedacht. Aber da steh ich nun, ganz vorn an der Spitze eines Hafenkrans, und blicke Richtung Elbstrand auf die hübschen Häuschen. Am Himmel stehen nur ein paar Stratuswolken, gefühlt geht der Blick bis an die Elbmündung in Cuxhaven. Unter mir zieht ein Schiff mit petrolfarbenem Rumpf und strahlend weißen Segeln vorbei. Wenn ich mich übers Geländer lehne und auf die Wasseroberfläche schaue, merke ich erst, wie hoch meine ungewöhnliche Aussichtsplattform doch ist. Schwindelgefühle machen sich breit.

Es fehlt eigentlich nur noch der Wind, der einem um die Ohren pfeift – aber auf den verzichte ich gern. Denn dafür konnte ich den Ausflug nach Hamburg direkt von der Couch in Berlin aus starten, mit dem Laptop auf dem Schoß. 360-Grad-Videos auf der Online-Plattform rundum.hamburg machen's möglich. Sie lassen einen mir nichts, dir nichts „die schönste Stadt der Welt“ fast hautnah erleben – zu Land, zu Wasser und in der Luft.

Das haben selbst eingefleischte Hamburger noch nicht gesehen

Ich drehe dem Elbstrand den Rücken zu, um das Treiben auf dem Burchardkai von hoch oben und doch aus aller Nähe zu beobachten. Das Terminalgelände leuchtet in grün, blau, weiß, orange und rostrot – allen Farben der Gütercontainersaison. Wie Legosteine sind sie aufeinander gestapelt und bilden gleichmäßige Rechtecke. Ein paar Frachter legen gerade an und werden entladen. Die Carrier – die vierbeinigen Fahrzeuge, die die Container vom Schiff an ihren Platz bringen – bahnen sich ihren Weg zwischen den Containerblöcken.

Eine interaktive Karte navigiert auch weniger zielstrebige virtuelle Hamburg-Touristen zielsicher zu den Sehenswürdigkeiten, Marker in den Panoramen führen dann von Ort zu Ort. Und auch ich als Hamburg-Erfahrene entdecke noch Perspektiven, die ich nie gesehen habe: Ein paar Klicks vom Hafen entfernt sehe ich einer Passagiermaschine am Hamburg Airport beim Landeanflug zu, nehme den Helikopter über die Elbphilharmonie und die Speicherstadt und mache auf dem Turm des Michels die Nacht zum Tag.

Ein Lied über die Wohlwillstraße, ein Gedicht über den Elbstrand

„Rundum.Hamburg“ kann aber nicht nur spektakuläre Aussichten und passende Infotexte mit Hard Facts und Hintergrundwissen. Auf der Südseite des Hafens singt uns die schwedische Band Friska Viljor unplugged ihren Song über die Wohlwillstraße in St. Pauli und immer wieder treffe ich auf die Poetry-Slammer Mona Harry und Fabian Navarro. Wortspielenderweise erzählen sie uns von den ikonischen Orten, an denen sie sich gerade befinden. Wie dem hier, der an dieser Stelle nicht verraten, sondern selbst entdeckt werden will:

“Inmitten von mächtig gestressten Beschäftigten, die vor lauter lästigem Hetzen umnächtigt sind, zwischen lärmendem Verkehr und Menschen, die drängeln, zwischen pöbelnden Rentnern und Bengeln, die quengeln, gibt es einen Ort, an dem die Zeit scheinbar still steht und das im Herzen dieser Stadt, die sich unentwegt, um sich selbst dreht. Eine Zeitblase, eine Kapsel, kaum zu

erfassen. Eine Kathedrale, gekachelt und unter Wasser, als hätte man den nordischen Jules Vernes gelesen. Vielleicht nicht ganz 20.000 Meilen unter dem Meer gelegen, aber immerhin die Elbe, die über uns fließt und Fische und Schiffe, die es in die Ferne fortzieht. An den Wänden sind Meeresbewohner, die beobachten uns. Während hier unten das Grundbrummen von dort oben verstummt, bis uns ein Hupen aus den Tagträumen vertreibt, weil gerade ein Auto aus einem Fahrstuhl aussteigt.”

Na, schon eine Idee, wo ich gerade bin?

Schon auf dem Weg zum nächsten Ort: Ich beame mich noch schnell virtuell an den Elbstrand. Mona und Fabian haben nämlich auch dort die Liegestühle ausgepackt und wollen mir dringend ein Gedicht im Sand flüstern. Ich lehne mich auf dem Sofa zurück. Ach Hamburg, meine Perle, endlich habe ich dich wieder, immer und zu jeder Zeit.

rundum.hamburg

www.rundum.hamburg

360 Grad Elbstrand02